Die private Homepage von A. P. Geiwitsch

Grüne Regenwürmer,

oder wie aus einem Wortgeplänkel unter Freunden eine kommunikative Lawine zu einem wenig bekannten wissenschaftlichen Thema wird.

Zur Vorgeschichte

Im Freundeskreis in Regensburg habe ich einmal erwähnt, dass es in der Steiermark, nach einem Statement meines Geologie- und -Mineralogie Professors während meiner Studienzeit, grüne Regenwürmer gäbe.

Ungläubiges Gelächter und: das kannst auch nur du glauben, weil du farbenblind bist.

So etwas kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich versuche diese Aussage zu verifizieren.

Anfrage an das Department of Applied Geosciences and Geophysics

Anfrage an das Department of Applied Geosciences and Geophysics
 Chair of Resource Mineralogy University of Leoben: 

Glück Auf!

Während meines Studiums der Eisenhüttenkunde in Leoben (1965 bis 1971) habe ich von einem damaligen Assistenten des Mineralogie-Instituts gesagt bekommen, dass in Kraubath / Stmk grüne Regenwürmer leben.
 Der Grund für die Grünfärbung sei eine Mangan Einlagerung im Hämoglobin der Würmer. …

Liegen an Ihrem Institut dazu Kenntnisse vor? Wäre es Ihnen möglich, mir weiterführende Hinweise zu schicken?

 Mit herzlichem Dank im Voraus,


Antwort: Sehr geehrter Herr Geiwitsch,

nach Auskunft meines Chefs ist ihm leider in dieser Sache "grüne Regenwürmer" nichts bekannt.

Mit freundlichen Grüßen
 J. B. 

Nächster Versuch

Nächster Versuch- einen Studienkollegen, mit Verbindung zu einem anderen Studienkollegen, der weiland an diesem Institut beschäftigt war.:

Hallo Hans,
…
Ich bin auf der Suche nach den grünen Regenwürmern.
ich kopier Dir meine Mail an die Mineralogie und die Antwort hier in die Mail.
Vielleicht kannst Du mir noch einen Tipp geben.
 LG Alois: 

Lieber Alois,

"Hochwissenschaftliche Probleme und Fragen" müssen unbedingt unmittelbar bearbeitet werden - daher meine rasche Antwort auf grüne Regenwürmer.

Diese Feststellung wurde im vergangenen Jahrhundert von Herrn o. Prof. Friedrich in der Vorlesung Mineralogie für Eisenhüttenleute getroffen.

Nach meinen sofortigen hochwissenschaftlichen Recherchen (Telefonat mit Dr. Hans Kolb, steht fest, dass tatsächlich eine Grünfärbung der Regenwürmer durch Einlagerung von wahrscheinlich Chrom-II-Oxid möglich ist. Diverse Exemplare wurden von Dr. Kolb in Kraubath noch nicht gesichtet……

Spaß beiseite, liebe Grüße

ORF - Der verkannte Regenwurm

Durch Zufall stoße ich jetzt auf eine Sendung des ORF

Der verkannte Regenwurm

Diese Woche war der internationale Tag des Regenwurms. Er wurde vor zehn Jahren von Naturschützern eingeführt, hat sich aber nicht richtig herumgesprochen. Ein Grund, diese kleinen Nützlinge näher zu betrachten, die es in aller Welt gibt.

Gärtner schätzen den Regenwurm und das nicht umsonst. Denn der Wurm sei ökologisch sehr wichtig, sagte Regenwurmforscherin Monika Germ aus Wölfnitz: „Er verwertet alte Pflanzenbestandteile und sorgt durch die Gänge, die er gräbt, für die Bodenbelüftung. Ohne Regenwürmer würde keine Pflanze wachsen.“ Der Regenwurm lebt schon seit ca. 400 Millionen Jahren auf der Erde. In Japan fand man eine Versteinerung von einem rund 30 Zentimeter langen Wurm. In manchen Ländern wird der Regenwurm besonders geschätzt, aber nicht als Gartennützling, sondern als Delikatesse.

APA/dpa Peter Steffen

Heiliges Tier in Ägypten

Sie werden nicht nur gegessen, in manchen Ländern werden sie auch verehrt, so Germ: „In Ägypten waren sie von Kleopatra als heilig ausgewiesen. In Japan gelten sie auch als heilig, da gibt es den Regenwurmschrein.“ Der Shintoismus sei eine Naturreligion, in den Schreinen kann man zum heiligen Tier beten.

Weltweit gibt es zirka 3.000 Regenwurmarten. In Österreich kommen rund 60 Arten vor, in Kärnten 24. Die 25. Art wurde von Monika Germ entdeckt, ein Wasserregenwurm. Germ entdeckte auch den smaragdgrünen Regenwurm wieder: „Die Regenwürmer auf der ganzen Welt haben ganz unterschiedliche Farben, von hellblau mit rosaroten Punkten bis gestreift, in allen Längen und Farben. In Australien gibt es einen Regenwurm, der bis zu drei Meter lang wird.“

Sendungshinweis:

Radio Kärnten Mittagszeit, 14. Februar 2015

Keine Nase, Augen oder Ohren

Regenwürmer gehörten zu den Ringelwürmern, sie atmen durch die Haut, haben weder Augen, Ohren oder Nase. Unter der Erde hilft ihnen nur der Tastsinn weiter. Über die Körperoberfläche und die Mundhöhle erkennen sie auch chemische Reize. Es gibt bei den Regenwürmern weder Weibchen noch Männchen, sie sind Zwitter. Dennoch benötigen sie zur Befruchtung einen Partner.

Jedes Kind weiß, dass sich Regenwürmer teilen können. Allerdings überleben nicht beide Teile, sondern im besten Fall nur einer. Meistens aber stirbt der geteilte Wurm an Infektionen. Es ist nicht eindeutig geklärt, wie der Regenwurm zu seinem Namen kam. Vermutet wird, dass der Name daher rührt, dass die Würmer bei Regen an die Erdoberfläche kommen, wenn ihre Röhren überflutet werden.

Publiziert am 17.02.2015

In der Folge – Anfragen an Frau Dr. Monika Germ

Von: alois geiwitsch
Gesendet: Freitag, 28. August 2015 19:22
An:: Dr. Germ ...

 Betreff: grüner Regenwurm

 Guten Tag,
ich bin beim Recherchieren auf den u.a. Eintrag gestoßen. Ich komme selbst aus der Steiermark und versuche seit langem meinen Freundeskreis (jetzt in Deutschland) davon zu überzeugen, dass es grüne Regenwürmer gibt.
Allerdings hat mir ein Mineraloge an der Montan-Uni vor 40 Jahren erzählt, dass hier im Blut das Eisen im Hämoglobin durch Magnesium ersetzt worden sei.
Ich finde dazu aber keine weiterführenden Angaben.
Wissen Sie mehr darüber?
 Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Antwort Dr. Germ

Am 28.08.2015 um 20:42 schrieb Monika Germ 

Guten Abend,

 natürlich gibt es smaragdgrüne Regenwürmer (Allolobophora smaragdina) – ich habe in Kärnten schon hunderte solcher Exemplare gefunden und habe sie selbst zu Hause gezüchtet. Zur Zeit habe ich auch einige Exemplare bei mir zu Hause. Ich kann Ihnen gerne Fotos von den Tieren schicken, wenn Sie möchten.

Regenwürmer haben alle rotes Blut und daher Eisen im Hämoglobin eingelagert. Die Pigmentfarbe der Regenwürmer hat nichts mit deren Blut zu tun. Es gibt ja auch beim Menschen verschiedene Rasse mit unterschiedlichen Hautfarben (rötlich, gelblich, schwarz, braun, weiß), doch alle Menschen haben rotes Blut.

So ähnlich ist es auch mit den Regenwürmern. In Kärnten gibt es 25 verschiedenen Regenwurmarten und in Österreich ca. 60. Alle haben unterschiedliche Pigmente, also unterschiedliche Hautfärbung, aber alle haben rotes Blut.

Haben Tiere nicht das Hämoglobin, sondern z.B. das Hämocyanin (mit Kupfer), dann erscheint das Blut blau (z.B. Schnecken, Spinnentiere, Skorpione, höhere Krebse, Tintenfische, etc.).

Beim Chlorophyll ist Magnesium statt Eisen enthalten. Chlorophyll kommt in den Pflanzen vor und in ganz wenigen Tieren, wie z.B. der Schlundsackschnecke (Elysia chlorotica).

Der grüne Regenwurm hat aber meines Wissens, nach keine Algen mit Chlorophyll eingelagert und betreibt auch keine Fotosynthese, wie die eben erwähnte Meeresschnecke.

Die Fotosynthese würde bei diesem Regenwurm auch nicht funktionieren, da er sich am liebsten in Gängen im Totholz aufhält und hier kommt kaum Sonnenlicht dazu. Die Umfärbung der Tiere spricht auch gegen die Chlorophyllhypothese. Das Regenwurmbaby ist rosarot und auch mit unterschiedlichem Fressmaterial ist es mir stets gelungen, die Umfärbung der violetten Tiere zu den grünen Tieren zu bekommen, obwohl hier sicherlich keine Algen im Futter waren. Warum die adulten Tiere grün sind und wie die Farbe genau zu Stande kommt, ist leider noch nicht vollständig geklärt.

Foto Germ

Hier ein Kurzausschnitt aus meinem Film über die grünen Regenwürmer:

https://www.youtube.com/watch?v=m2skGYBVwRo

Liebe Grüße,

Liebe Frau Dr. Germ,

Vielen Dank für Ihre Informationen.

Dass Sie die grünen Würmer züchten können, spricht ganz klar gegen die Argumentation des Mineralogen. Schön, dass ich jetzt gutes "Beweismaterial" für diese wohl doch österreichische (?) Besonderheit habe.

Danke noch einmal und herzliche Grüße aus Regensburg,

Aber jetzt erst recht: Warum sind die Würmer grün?

Anfragen an die Zoologischen Institute in Ö und D:

 Sehr geehrte Frau/ Herr Prof. xxxx

ich bin Absolvent der Montanuniversität Leoben und erinnere mich, dass während meiner Studienzeit ( 1965 -1971) der damalige Professor für Mineralogie sagte, in Kraubath (Stmk) gäbe es grüne Regenwürmer. Die Ursache sei eine Einlagerung von Mangan im Hämoglobin der Würmer. Eine alternative Aussage lautet, dass die Grünfärbung durch Chrom II Oxid , eingelagert in der Haut der Tiere entstünde.
Nun gibt es zwar grüne Regenwürmer (z.B. Allolobophora smaragdina). die im Übrigen an vielen Stellen, auch in Kärnten vorkommen, aber keinen greifbaren Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang mit der damals ausgesprochenen These.
Weder bei Satchell, J.E. (1967): Colour Dimorphism in Allolobophora chlorotica Sav. (Lumbricidae)
noch bei E. Christian (synoptischer Bestimmungsschlüssel der Regenwürmer Österreichs) finden sich dazu Hinweise.

Gibt es an Ihrem Institut dazu weiterführende Erkenntnisse?
Ich wäre für jede weiterführende Information dankbar.

 Vielen Dank im Voraus, mit herzlichen Grüßen aus Regensburg 

 

Nach einigen wenig hilfreichen Antworten... 

Sehr geehrter Herr Geiwitsch,

ich kann Ihnen dazu keine weiteren Auskünfte geben. Vielleicht kann jemand in Osnabrück helfen, wo das Labor von W. W. war, oder in Innsbruck, wo R. R. arbeitete? Oder Sie müssten mal bei den Tierphysiologen in Münster (P.), Mainz (M. (em.), D., S.) oder Hamburg (B.) nachfragen.

Mit freundlichen Grüßen

Oder

 Hallo Herr Geiwitsch,
früher wurde bei uns mehr bodenbiologisch gearbeitet - heute haben wir dafür keine Spezialisten mehr. Ich empfehle ihnen Kontakt mit Dr. G in Hamburg aufzunehmen: er ist für mich der Regenwurmspezialist, zumindest in Mitteleuropa.
Richten sie ihm schöne Grüße von mir aus.

Mit freundlichem Gruß
 E. K.

.....eine interessante Antwort

von
Erhard CHRISTIAN, Dr, Retired Prof.
BOKU, Institute of Zoology
Augasse 2-6
1090 Wien
 Austria

 Sehr geehrter Herr Geiwitsch,

nicht mehr ganz neu, aber immer noch lesenswert ist

 Satchell, J.E. (1967): Colour Dimorphism in Allolobophora chlorotica Sav. (Lumbricidae). - Journal of Animal Ecology 36: 623-630.  ---  

Hier das Abstract:

 1. The earthworm Allolobophora chlorotica has two colour forms. One form contains a series of porphyrins and a pigment provisionally identified as turboglaucobilin, rendering it green; the other form lacking some of these pigments is pink. 2. Genetical experiments indicated (a) that pink and green worms taken from nature tend to breed true, (b) that pink is dominant over green, (c) that the heterozygous offspring of pink X green crosses are wholly or partly sterile. 3. Earlier results indicating that the two forms do not differ in their sensitivity to u.v. light were confirmed. 4. The frequency distributions of segment numbers in the two forms were similar and provided no evidence of cryptic advantage in field populations exposed to bird predation: an aviary experiment indicated a cryptic advantage of the green over the pink form under conditions of exposure to bird predation. 5. Soil samples taken in the very dry summer of 1959 from sites where field populations had been sampled indicated that the pink from tended to occur in drier sites and the green form in the wetter sites. 6. The two forms generally occur in monomorphic populations. The polymorphism of mixed populations appears to lack a stabilizing mechanism and therefore to be transient in character. It is suggested that swinging selection favouring the green form in wet seasons and the pink form in dry seasons may ensure the prolonged persistence of polymorphic populations.

 Das ist ungefähr mein Kenntnisstand. Über den chemischen Hintergrund der Grünfärbung weiß ich nichts. Das Blut von A. smaragdina ist genauso rot wie jenes der übrigen heimischen Regenwürmer.

Mit freundlichen Grüßen

E. Christian

_und danach plötzlich dieser Hinweis: ​​​​​​

Chemical Zoology V4: Annelida, Echiuria, And Sipuncula

 

….are two basic forms of this species, pink and green. The intensity of the green pigmentation increases with age, and the colour in both forms may be modified by the presence of yellow coelomic fluid and chloragogen cells. Populations in woodlands and gardens are usually predominantly pink, while in permanent grassland the green form is the more numerous.

The pigments of the green Allolobophora were first examined by Goodwin and by Himington (personal communications to Kalmus et al., 1955). They found coproporphyrin (isomer unspecified), protoporphyrin, an unidentified porphyrin, and a green pigment. The latter was the subject of some controversy, and the worms were subsequently examined by Kennedy (1960 unpublished), who found coproporphyrin III, protohematin, protoporphyrin, and another pigment which behaved like a tricarboxylic porphyrin; all these in both the green and the red forms. The green form gave a pigment which was identi6ed by Kennedy as a bilin, with absorption maxima at 655, 380, and 305 mmü. These figures agree with those obtained by C. H. Gray and D. C. Nicholson ( 1957-unpublished) and in further work, Kennedy was able to show that this bilin appeared to have four COOH groups, and he speculated that the pigment was similar to turboglaucobilin which Tixicr ( 1953) had extracted from the mollusk Turbo regenfussi Desh. This bilin appears to be of the III isomeric series, and work is still going on on its identification (Fig. 7).

Pop (1941) separated the pigments of the Lumbricidae into two types, each characteristic of a group of genera or related species. Dendrobaena, Eisenia, and Lumbricus have a reddish-purple pigment with varying tints from dark brown-red to a clear red-violet. The pigments of the other group run the gamut of browns from yellow-brown to green­brown; they are never purple. The brown pigments are porphyrins or hematins.

...umgehende Info an Hans:

Lieber Hans

Die Grünfärbung erfolgt durch ein Pigment Turboglaucobilin 


oben die chem. Formel – „weitgehend chromfrei“.
Also mit der Friedrich'schen Kraubath-Chromlegende wird es wohl nix……
Dieses Turboglaucobilin ist ein Bilin, ein Abbauprodukt aus dem Hämoglobin. Du kannst das beobachten, wenn ein Hämatom (Blauer Fleck) beim Altern langsam grün und dann gelblich wird.
 Das wäre natürlich eine alternative Erklärung: dass irgendwer die Regenwürmer prügelt und misshandelt und dann nach Kraubath schafft. Dem alten Friedrich hätte ich das zugetraut, dem Hans K eher nicht. Deshalb hat er auch noch keinen gesehen.

Nochmals liebe Grüße


Aber das ist noch nicht alles

Nach der Weitergabe der Info an Frau Dr. Germ, diese Antwort

Hallo Herr Geiwitsch,

vielen Dank für die Artikel.

Eine Frage stellt sich mir aber, woher soll das Turboglaucobilin kommen? Aus der Nahrung?

Wie können sich dann die Tiere (Allolobophora smaragdina) umfärben? Bei mir hatten sie keine Mineralien, nur Holz als Nahrung und meine Jungtiere sind bei mir zu Hause geboren, waren also nie im Wald und haben sich auch umgefärbt. Als Nahrung bekamen sie 3 Jahre lang nur Moderholz.

Warum gibt es keine neueren Forschungsarbeiten darüber?

 Meiner Meinung nach, sind hier noch einige offene Fragen…

 Liebe Grüße,

Monika Germ